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Singen und Musizieren als Förderaktivität

Kinder reagieren bereits während der Schwangerschaft auf Geräusche/Stimmen, denn der Hörsinn ist einer der ersten sich entwickelnden Sinne. Auch nach der Geburt sind Säuglinge sehr interessiert an Musik und Geräuschen. Ihre Aufmerksamkeit wird sofort geweckt, wenn im Raum ein Klang zu hören ist oder jemand beginnt zu summen oder singen. Und so beginnen sie auch bald, ihre Stimme zu entdecken mit Tönen, Schreien, Lallen usw. (Siegler, R. et al., 2008). 

 

Dieses Interesse an Musik bleibt auch später bestehen. Die meisten Kinder sind sofort zu begeistern für Aktivitäten rund ums Thema Musik. Eltern berichten uns immer wieder, dass ihre Kinder zu Hause plötzlich ein Lied aus der Kita singen oder Bewegungen zeigen, die sie in der Kita kennengelernt haben. 

 

Der Alltag in den Kitas wird begleitet durch verschiedene musikalische Rituale. Das Singen von Kinderliedern ist dabei einer der wichtigsten musikalischen Grundpfeiler. Je nach Kita werden Lieder und Verse eingebunden in den Alltag, z.B. um Übergänge oder Rituale zu begleiten (Begrüssungslied, Aufräumlied, Mittagslied, Zahnputzlied usw.). Auch in speziellen Situationen wenden Betreuungspersonen den Gesang an, um zum Beispiel die Kinder zu beruhigen (um Trost zu spenden, beim Einschlafen usw.). Diese wiederkehrenden Lieder helfen den Kindern, sich besser orientieren zu können und es gibt ihnen Sicherheit im Ablauf des Alltages.

 

Zusätzlich werden auch gezielte musikalische Sequenzen eingeplant, z.B. Singkreise, bei denen Musik und Bewegung verbunden werden und die Kinder einbezogen werden in die Auswahl der Lieder. Auch Sequenzen, in denen mit Instrumenten musiziert und getönt wird, finden statt. Dabei werden zum Teil die Instrumente gleich selbst gebastelt. Bei Aufenthalten draussen werden Geräusche analysiert und zugeordnet und im Wald Geräusche mit Naturmaterialien erzeugt oder man nimmt lautstark an traditionellen Anlässen wie zum Beispiel der Fasnacht teil. Auch in der Kita wird zwischendurch Musik vorgespielt und dazu getanzt.

 


Musik und Singen ist eine vielfältige Fördermöglichkeit, da verschiedene Entwicklungsbereiche angesprochen werden. Neben dem gemeinsamen Erlebnis als Gruppe werden die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Konzentration, Sprache, Motorik/Koordination, soziale Fähigkeiten, Kreativität, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein angesprochen (Winter, T., 2010)

Musikpädagogik ist also nicht nur ein nice-to-have, sondern ein wichtiger Teil der Bildungsarbeit im Frühbereich.

 

Es geht dabei weniger um das Resultat, sondern mehr um den Prozess des Tuns. Es spielt also keine Rolle, ob das Kind Töne trifft oder schön klingende Melodien erzeugt, sondern es geht um die Erfahrung selbst etwas zu erzeugen, selbst zu handeln und Freude zu haben an Tönen, Rhythmen und Musik. Wichtig ist dabei, offen zu sein und Kreativität zuzulassen. Musikalische Förderung kann sehr gut in den Alltag integriert werden, wenn man offen dafür ist und mit den Ohren der Kinder nach Geräuschen, Tönen und Melodien sucht (Heinzer, L., 2021).

 

„Kreativität und Freude am Gestalten müssen wir Kindern nicht ‚beibringen‘ – wir können sie ihnen allenfalls austreiben.“ (Heyl & Schäfer, 2016).

 

Quellen:

  • Heinzer, L. (2021). Synergien und Schnittstellen der beiden Berufsfelder Musikpädagogik und Erziehung. Bachelorarbeit Hochschule Luzern Musik
  • Heyl, T. & Schäfer, L. (2016). Frühe Ästhetische Bildung. Mit Kindern künstlerische Wege entdecken. Berlin: Springer.
  • Siegler, R. et al. (2008). Entwicklungspsychologie im Kinder- und Jugendalter. Heidelberg: Spektrum.
  • Winter, T. (2010). Wirkung von Musik auf die frühkindliche Entwicklung – Macht Musik intelligent? Gefunden am 18. August 2023 unter:
  • https://opendata.uni-halle.de/bitstream/1981185920/13383/1/Wirkung%20von%20Musik.pdf

Bei Fragen oder Anregungen dürfen Sie gerne per Mail auf mich zukommen.

 

small Foot AG - Die Kinderkrippe / Pädagogische Leitung

September 2023

Lea Catenazzi
Fachpsychologin für Kinder und Jugendliche FSP


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