Gemäss dem Bundesamt für Statistik der Schweiz nutzen Zweidrittel der Menschen in der Schweiz im Alltag regelmässig mehrere Sprachen. 38 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren hören zu Hause mindestens zwei Sprachen. Es ist in der Schweiz also weit verbreitet, dass Kinder mit mehreren Sprachen aufwachsen. Eltern, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, machen sich oft viele Gedanken, wie sie ihr Kind am besten unterstützen in der Sprachentwicklung. Sollen sie mit dem Kind ihre vertraute Erstsprache/Muttersprache sprechen oder besser von Beginn an Deutsch sprechen? Haben ihre Kinder einen Nachteil oder einen Vorteil, wenn sie mehrere Sprachen gleichzeitig lernen? Wann sollten die Kinder Deutsch lernen, damit sie gut vorbereitet sind auf die Schule?
Mittlerweile wurde viel geforscht darüber, wie Kinder Sprachen lernen und welche Auswirkungen Mehrsprachigkeit haben kann. Im Folgenden sollen einige wichtige Erkenntnisse aufgeführt werden:
- Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Familiensprache zuhause sprechen mit dem Kind (die Sprache, die sie am besten beherrschen). Man findet keine Vorteile für Kinder, wenn Eltern zu Hause Deutsch sprechen, obwohl sie eine andere Sprache besser beherrschen.
- Es ist wichtig, dass die Kinder früh Kontakt mit der Umgebungssprache haben. Für die Kinder ist es am besten, wenn sie schon vor dem dritten Lebensjahr auch Deutsch lernen (z.B. in der Kita oder in einer Spielgruppe usw.)
- Die Kinder benötigen ausreichend Kontakt zur Zweitsprache (z.B. Deutsch), damit diese erfolgreich gelernt werden kann.
- Kinder können mühelos mehrere Sprachen erwerben. Die Mehrsprachigkeit ist keine Überforderung für die Kinder und führt auch nicht zu mehr Sprachentwicklungsstörungen. Wenn Kinder gleichzeitig mehrere Sprachen erwerben, kann es sein, dass sie etwas mehr Zeit benötigen, um alle Sprachen in einer differenzierten Form zu beherrschen.
Eltern, deren Kinder mehrsprachig aufwachsen, müssen sich also grundsätzlich keine Sorgen machen um die Entwicklung ihrer Kinder. Mit mehreren Sprachen aufzuwachsen kann bereichernd sein und ist
keinesfalls ein Nachteil.
Quelle:
- Bild: KI-generiertes Bild
- Bundesamt für Statistik: https://www.bfs.admin.ch/news/de/2025-0555
- Troesch, L. M., Keller, K., Loher, S. & Grob, A. (2017). Umgebungs- und Herkunftssprache: Der Einfluss des elterlichen Sprachengebrauchs auf den Zweitspracherwerb der Kinder. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie. 31 (2), 149–160.
- Grob, A., Keller, K. & Trösch, L. (2014). Zweitsprache. Mit ausreichend Deutschkenntnissen in den Kindergarten. Wissenschaftlicher Abschlussbericht. Basel: Universität, Abteilung für Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie.
- https://www.hfh.ch/institute/institut-fuer-sprache-und-kommunikation/mehrsprachigkeit
- Kannengieser, S. et al.(2020). Nashorner haben ein Horn. Hannover: Friedrich.
small Foot AG - Die Kinderkrippe / Hauptsitz
Lea Catenazzi
(Pädagogische Leitung, Fachpsychologin für Kinder und Jugendliche FSP)
