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Warum Spielen für (kleine) Kinder so wichtig ist

 

Wenn die KrippenbetreuerInnen abends jeweils die Kinder den Eltern übergeben und vom Erlebten der Kinder erzählen ist oft vom „Freispiel“ die Rede. Einige Eltern reagieren darauf mit „Haben die Kinder heute nur gespielt?“. Auch wenn vom Beruf der „Fachfrau Betreuung Kind“ die Rede ist höre ich immer wieder etwas abschätzig sagen „ja ja, die haben es schön, die spielen den ganzen Tag“. Das Spiel hat leider in unserer Leistungsgesellschaft nicht den Status, den es haben sollte. Viele denken, dass man bereits kleine Kinder am besten fördert, indem man mit ihnen Förderprogramme besucht oder ihnen genau vorgibt, was und wie sie spielen sollen. Das Spiel wird von vielen als unbedeutende Aktivität angesehen und die Zeit für das freie Spiel ist in den letzten 15 Jahren um 30% gesunken.

 

Die Empfehlung der Fachwelt, die durch viele Studien unterstützt wird, sieht dagegen ganz anders aus. Das Spiel (insbesondere das vom Kind initiierte freie Spiel) ist der zentrale Lern- und Entwicklungsmotor. Kinder, die viel spielen, zeigen später eine bessere Schulfähigkeit als Kinder, die schon früh instruiertes Lernen (wie z.B. Förderprogramme) und einen stark strukturierten Wochenalltag erfahren haben. 

 

In unseren Krippen versuchen wir, den Kindern möglichst viele Möglichkeiten und Zeitfenster zu bieten, in denen sie frei spielen dürfen. Damit Kinder ein qualitativ gutes Freispiel erleben können benötigt es v.a. Zeit, vielseitige und frei zugängliche Spielmaterialien und eine anregende soziale Umwelt (andere Kinder, individuelle Spielbegleitung). Die Spielbegleitung ist dabei eine hohe Kunst. Es gilt, sich zurückzuhalten, zu beobachten, jedoch präsent zu sein, falls ein Kind eine Unterstützung benötigt oder einen Spielpartner wünscht. Auch müssen die individuellen Lernprozesse beachtet werden, damit man den Kindern sinnvolle Inputs im Spiel geben kann. So können sie im besten Fall einen nächsten Entwicklungsschritt machen.

 

Auch euch, liebe Eltern, möchte ich anregen, das Spiel eurer Kinder gross zu schreiben:

  • Betrachtet euren Alltag zu Hause einmal genauer: Haben eure Kinder regelmässige, grosse Zeitfenster, die unverplant sind und in denen kein Programm vorgegeben wird? Traut euch, zwischendurch in den Tag hineinzuleben und euch von den Bedürfnissen und Ideen der Kinder lenken zu lassen. Ihr werden sehen, dass es auch für euch stressfreier ist. Habt nicht den Anspruch, euren Kindern nonstop ein sinnvolles Förderprogramm und tolle Erlebnisse bieten zu müssen. Sie fördern sich selbst, wenn ihr sie lasst.

  • Seid mutig und vertraut auf die Fähigkeiten eurer Kinder. Wenn ihr überall Risiken seht und immer vor Augen habt, was schief laufen könnte ist dies für das kindliche Spiel sehr hemmend. Kinder müssen Dinge ausprobieren und sollen Fehler machen dürfen. Daraus können sie etwas lernen. Fragt euch immer, bevor ihr etwas verbietet, ob es wirklich so schlimm wäre, wenn es schief geht. 

  • Lasst die Kinder mit allen Materialien spielen, die sie interessant finden. Kinder kennen keine Grenzen beim Spiel. Jeder Gegenstand kann potenziell interessant sein. Nicht nur die Bäbis, Legos und Autos, sondern auch Kochtöpfe, Kastanien oder Kartonrollen können interessante Spielmaterialien sein. Die Kreativität der Kinder wird umso mehr angeregt, wenn sie mit Materialien spielen dürfen, die keine Funktion vorgeben, sondern denen man selbst eine Funktion geben kann.

    Ihr werdet staunen, wie gross die Fantasie eurer Kinder ist, wenn ihr sie ausleben lasst. Plötzlich werden aus Kartonkisten Schlösser oder aus einem Wäscheständer der Eingang in eine Zirkusmanege. Viel Spass beim Beobachten und Begleiten.

Quellen:

Stamm, M. (2014). Frühförderung als Kinderspiel. Ein Plädoyer für das Recht der Kinder auf das freie Spiel. www.margritstamm.ch

Orientierungsrahmen für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in der Schweiz (2016)

 

Bei Fragen oder Anregungen dürfen Sie gerne per Mail auf mich zukommen.

 

small Foot AG - Die Kinderkrippe / Pädagogische Leitung

Februar 2019

Lea Catenazzi